Wie entstehen Kleckse?

oder die Kunst der Flecken

Kleckse haben ja ein einmaliges Eigenleben – sie haben mitunter Persönlichkeit und können sehr eigenwillig auf einem Blatt Papier landen. Nicht reproduzierbar und auch manchmal unpassend – ich versuche hier auf verschiedene Klecks-Methoden einzugehen.
In meiner Kalligrafie-Gruppe hatten wir an einem Abend viel Spaß beim Ausprobieren besagter Klecks-Flecken. Wir haben festgestellt, dass sich die Welt in zwei Lager teilt. Die einen sagen: „o Schreck – ein Fleck“, die anderen: „oh – so ein schöner Fleck!"

Also – Methode Katharina: man malt einen Kreis, den man dann nach Belieben ausschmücken kann, mit Fahrern drumherum z. B.

Methode Margita: mit vollem Automatic-Pen tropft und dutscht man so lange, bis man zufrieden ist. Mal in die nasse Farbe reinpusten tut ein übriges.

Methode Markusine: nassen Farbfleck produzieren und dann mit Sitzgymnastik-Übungen (natürlich mit dem Papier in der Hand) weitermachen.

Methode Bettina: voller Pinsel voraus – ist sehr kommunikativ („äh – Bettina, bin ich noch irgendwo rot im Gesicht?“ - übernächste Nachbarin: „wo kommen jetzt die Spritzer auf meinem Papier her?“)

Ansonst kann man auch:

einen vollen Pinsel über dem Papier „ausschütteln / - schleudern“ (das Ganze innerhalb einer hohen Pappschachtel ist am Wohnungs-schonendsten, außer man hat eh vor, demnächst die Heizung neu zu streichen und den Teppich zu erneuern). Wenn man dabei den Finger zum draufklopfen des Pinsels benutzt, kann man das Ziel etwas steuern.

Alles, was gerne Tropfen abgibt: größerer Automatik-Pen, aufgezogener Strohhalm, Pipette

„Klecksomat“ - ein mit (rundem) Filz beklebtes Holzstück (ich hab auch einen, wo ich auf einen Bleistift hinten ein kleines Stück aufgeklebt habe, weil man braucht ja nicht immer große Kleckse). Es geht auch der Radiergummi am Ende des Bleistifts, den man in Farbe eintunkt und beherzt auf das Papier aufsetzt.

Oder noch eine Idee: alte Haushaltshandschuhe haben doch immer irgendwo ein Loch – Farbe einfüllen und dann über dem Papier ausdrücken …

Mit einem Strohhalm (oder auch ohne wie Margita) in den nassen Farbfleck reinpusten – wunderschöne Füßchen warten dann nur auf das Krönchen.

Ansonst kann man den Fleck noch manipulieren mit anderen Farbnuancen, die man reindutscht oder Farbe mit Lappen wieder rausnehmen. Tinte, Beize und Airbrushfarben fließen, tropfen und schleudern leichter als Tusche.

Eins steht fest: ein Fleck ist absolut einmalig, nicht wiederholbar, einzigartig! Es lohnt sich, sich in der Kunst des Flecken-machens zu üben. Allerdings: bitte rechtzeitig vor dem Fleck-Fieber aufhören!

Na, ist das nicht überzeugend, in Zukunft ein ge-Fleck-tes Dasein zu führen?